„Schülervertretungen dürfen viel mehr, als das im Schulalltag den Anschein hat…“

Felix Scheel, Kooperationspartner, Dozent für Schülervertretungsarbeit & Gründer des “SV Start Up – Schule ein Gesicht geben”, gibt Einblicke in seine Arbeit.

Hey Felix, wie würdest du dich selbst kurz in zwei Sätzen vorstellen?

Ein Mensch, der glaubt, dass es wichtig ist, sich für eine menschengerechtere, mit dem Planeten freundlicher umgehende und friedliche Welt einzusetzen. Bei allem Engagement darf das eigene Wohlfühlen nicht vergessen werden: idealistisch,
engagiert, zuversichtlich.

Wie kam es zu der Idee, ein Programm für SV-Arbeit ins Leben zu rufen?

Mich selbst hat die Erfahrung geprägt, dass ich eine Idee hatte, mich mit anderen zu dieser Idee zusammengesetzt, geplant und getüftelt habe – und wir diese Idee dann gemeinsam umgesetzt haben. Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit möchte ich an andere (junge) Menschen weitergeben und ich halte es für wichtig, dass junge Menschen lernen, dass das Demokratie bedeutet.

Welche Mitbestimmungsmöglichkeiten hat eine SV an der Schule?

Schülervertretungen dürfen viel mehr, als das im Schulalltag den Anschein hat. Leitfragen der SV-Arbeit sind: „Wie kann unsere Schule ein besserer Ort zum Lernen werden? Wie kann unsere Schule Ort zum Wohlfühlen sein? Wie kann unsere Schule umweltfreundlicher, toleranter oder aber diskriminierungsfrei sein?“ Zu diesen Fragen kann die SV Aktionen und Projekte ins Leben rufen und diese dann z.B. durch die Schülervertretungen in die Gesamtkonferenz, dem wichtigsten Mitwirkungsgremium, bringen.

Warum ist gute SV-Arbeit so wichtig, aber doch nicht selbstverständlich?

Die heutigen Schulen sind leider in vielfältiger Hinsicht sehr vorgefertigt, so dass Schüler*innen eher lernen, sich Autoritäten unterzuordnen und das Bestehende hinzunehmen. Das steht ganz im Widerspruch dazu, dass es eine wichtige und durch das Schulgesetz auch vorgegebene Aufgabe ist, Schüler*innen an Demokratie heranzuführen. Das Potential lebendiger SV-Arbeit ist das Erleben von Demokratie im Kleinen – und genau das wird oft durch veraltete Schulstrukturen sogar eher unterbunden.

Was verstehst du unter einer „SV-freundlichen Schule“?

Eine SV-freundliche Schule stellt der SV pädagogisch-qualifizierte Begleitung mit einem realen Stundenumfang zur Seite, räumt der SV Zeit ein, z.B. SV-Intensivtage während der Unterrichtszeit zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Schuljahres, zeigt Anerkennung und Wertschätzung z.B. durch Ehrungen, Zeugnisvermerke oder einen direkten Draht zur Schulleitung und fördert die SV z.B. durch ein eigenes Budget, Fortbildungen der Lehrkräfte zur Vermeidung von Beliebtheitswahlen oder einen eigenen Raum für die SV.

Aus deiner Erfahrung heraus: Was sind die Top 10 Tipps für eine gut funktionierende SV-Arbeit?

Kennenlernen, Kennenlernen, Kennenlernen… ist im Schülerrat die Grundlage der Zusammenarbeit. Es gibt Schülervertretungen, die daher zwei Sitzungen des Schülerrates zu Beginn des Schuljahres nur mit Kennenlernspielen und Teamübungen verbringen. Die restlichen 7: eine jährliche SV-Fahrt, ein gut organisierter SV-Vorstand, engagierte SV-Begleiter*innen, SV-Intensivtage mehrmals im Jahr, eine monatliche Sitzung des Schülerrates, ein SV-Raum sowie transparentes und verfügbares Wissen z.B. zu Sitzungsgestaltung, Projektarbeit oder Öffentlichkeitsarbeit.

Welche Angebote für Schülervertretungen und Schulen bietest du als Kooperationspartner an?

Ich habe in Sachsen-Anhalt aktuell die Friedrich-Ebert-Stiftung als Kooperationspartner gewinnen können und führe für sie z.B. Coachings für die SV-Vorstände, Werkstätten für erfolgreiche SV-Arbeit, Fortbildungen zur Aktivierung einer SV oder aber eine Qualifizierung für SV-Begleiter*innen an. All diese Veranstaltungen sind beteiligungs-orientierte Vernetzungsveranstaltungen, auf denen es die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch, Fortbildung sowie vielleicht auch entstehende Kooperationen gibt. Für einzelne Schulen biete ich darüber hinaus z.B. Aktivierungsseminare für die SV oder Fortbildungen für die Klassenlehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen an.

Wo kann man sich weitere Informationen zu deinem Angebot einholen?

Meine Kooperationen haben sich in der Vergangenheit eher informell, d.h. über Empfehlungen, Weitervermittlungen sowie aktives Ansprechen von Organisationen ergeben. Deshalb gibt es (noch) keine schicke Webseite. Da ich aber einen Verein gründen will, um das Ganze auf festere Füße zu stellen, ist sie in Aussicht. Bis dahin kann man mich über Mail an Felix.Scheel@gmx.net noch am Besten erreichen.

Lieber Felix, vielen Dank für das Gespräch und weiter viel Erfolg bei der Stärkung von SV-Arbeit!